Miteinander - füreinander

Lernbegleiter und Junge beim Großaspacher Modell

 

Wer dienstags und donnerstags am frühen Nachmittag in Großaspach unterwegs ist, kann Leuten begegnen, die zielstrebig zur Schule gehen. Es sind nicht nur Schulkinder; es sind auch keine Lehrerinnen. Ehrenamtliche treffen sich mit Schulsozialarbeiterin Meike Rank oder Schuldiakon Geoffrey Schwegler im Flur der Schule zur Lernbegleitung. Sie nehmen sich eineinhalb Stunden Zeit, um mit Kindern aus den Klassen 2 bis 5 zu lernen: da stehen Hausaufgaben an, die erledigt werden müssen; immer wieder übt eine Lernbegleiterin mit zwei Schülern, weil eine Mathe-Arbeit ansteht. Es gibt aber auch Zeit, mal eine Pause zu machen - draußen Ball zu spielen oder die Federballschläger zu schwingen. Jedes Kind kennt seinen Lernbegleiter und so gibt es auch immer viel zu erzählen. Wie läuft’s in der Schule? Was ist Dir besonders gut gelungen? Wie ist Dir’ in der letzten Zeit ergangen? Geht’s deiner verstauchten Hand besser?

 

„Miteinander - Füreinander in Aspach“ lautet das Motto des Großaspacher Modells, dieses diakonischen Projekts in Schule und Gemeinde. Im Vergleich zu anderen Beispielen, die in den Artikeln zur „Woche für das Leben“ vorgestellt wurden, ist nicht sofort erkennbar, wer mit welchen Grenzen lebt. Hinter dieser Arbeit, die von der Paulinenpflege Winnenden, der Evang. Kirche und der Schule getragen wird, steht vielmehr die Erkenntnis, dass alle Menschen mit Grenzen leben.

 

Es sind nicht nur Schulkinder, die manchmal überfordert sind durch die Aufgaben, die von ihnen erwartet werden. Da sind auch die Lehrerinnen, die bei großen Klassen an ihre Grenzen stoßen, wenn sie sich jedem einzelnen Kind zuwenden sollen. Eltern merken, dass die Kindererziehung ihnen viel Kraft abverlangt; ob sie diese Kraft immer haben? Senioren merken, dass sie für manches länger brauchen als früher. „Rentner haben keine Zeit“, wird immer wieder erzählt.

Auch in der Lernbegleitung stoßen die Ehrenamtlichen an manche Grenzen: verstehe ich, wie die Kinder heutzutage das Addieren lernen?

 

Nun kann jeder für sich in seinen Grenzen leben, sich hinter seine Grenzen zurückziehen. Das Großaspacher Modell schlägt einen anderen Weg ein: miteinander Grenzen überschreiten. Über Generationen hinweg treffen sich Menschen, um miteinander füreinander da zu sein. In der Lernbegleitung arbeiten Mädchen, die im letzten Jahr konfirmiert worden sind, mit Senioren zusammen. Mütter, deren Kinder schon groß sind, setzen sich für andere Mädchen und Jungen ein. Männer mit unterschiedlichsten Berufen investieren ein Stück Zeit, um Schüler zu begleiten.

So erleben Kinder und Jugendlichen ihre Schule neu als einen Lebensraum, in dem neben den Lehrerinnen auch andere Erwachsene für sie da sind.

 

Das klappt nicht immer reibungslos: manchmal geht es zu laut zu, die Konzentration fehlt oder man ärgert sich übereinander. Doch von solchen Schwierigkeiten lässt sich niemand ernsthaft irritieren. Wo neue Kontakte geknüpft werden, wo Kinder einmal in der Woche in einer Familie zum Mittagessen eingeladen sind, wo Sportangebote und Schüler-Café Jugendlichen Raum zum Leben bieten, wo Erwachsene mit Grundschülern lesen üben - überall dort geht es miteinander ein Stück besser. Jeder Mensch lebt in Grenzen - doch manche Grenzen lassen sich gemeinsam überschreiten.

Uwe Altenmüller

ist Pfarrer und begleitet das sogenannte "Großaspacher Modell" eine Initiative der Paulinenpflege Winnenden, der Evang. Kirchengemeinde und der Schule Großaspach.


 
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