EKD-Vertretung beim Bundestag

Haus der EKD am Gendarmenmarkt

In einem historisch bedeutungsvollen Gebäude am Gendarmenmarkt (Sören Kierkegaard schrieb darin zwei seiner bekanntesten Bücher) empfängt Prälat Dr. Stephan Reimers den Backnanger Pfarrkonvent. Er ist Bevollmächtigter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union. Hinter dem langen Titel verbirgt sich eine wichtige Aufgabe. Denn als Vertreter der Evangelischen Kirche in der Hauptstadt ist er ein Botschafter für die kirchliche Anliegen und ist gleichzeitig Seelsorger für die evangelischen Abgeordneten im Bundestag.

 

Das Angebot der EKD-Ratsvertretung wird von den Mitgliedern des deutschen Parlamentes gerne in Anspruch genommen. Einmal pro Woche lädt Reimers und sein Team die Bundestagsabgeordne­ten zum Gebetsfrühstück ein. Gut ein Drittel der 253 evangelischen Abgeordneten nehmen das Angebot am frühen Mittwoch Vormittag um 7.30 Uhr wahr. Trotz vollem Terminkalender in den Sitzungswochen schätzt man den ungezwungenen Umgang und die vertrauensvolle Atmosphäre im ehemaligen Otto-Nuschke-Haus, das früher der Ost-CDU gehörte. Und die Tatsache, dass man hier ohne Presse und Öffentlichkeit auch einmal ungeschützt miteinander reden könne, würde von vielen Abgeordneten sehr geschätzt, so Reimers. Der kirchliche Diplomat, der früher selbst einmal Bundestagsabgeordneter war, gibt dabei theologische Impulse oder kommt mit den Abgeordneten persönlich ins Gespräch, gerade jetzt wo viele von ihnen um ihren Platz im Bundestag bangen.

 

Und auch bei der regelmäßigen Einladung zum Abendessen kommen bis zu 100 Personen zum „Treffpunkt Gendarmenmarkt“ ins Haus der EKD. „Evangelische Kirche will die Meinung der Abgeordneten gewinnen und anhören“ sagt der kirchliche Diplomat. Sie möchte dabei keine Meinung vorschreiben. Dies unterscheide die Position der EKD von der katholischen Kirche. „In Fragen der ethischen Entscheidung muss für evangelische Leute Freiheit sein“ betont Reimers. Diese Hilfestellung in schwierigen politischen Entscheidungen durch die Kirche werde von vielen Politikern sehr geschätzt. „Beide Kirchen“ so Reimers, „werden sehr stark wahrgenommen und es wird sehr genau hingehört“. In einer Zeit, in der viele Leute am liebsten aus dem Staat austreten würden, werde die Kirche heute als eine Art Gegenkraft eingeschätzt, der es im Gegensatz zum Staat noch gelinge selbst auch junge Menschen anzusprechen.

 

In diesem Kontext beschreibt der gut strukturierte Hanseate am Schreibtisch des letzten Ministerpräsidenten der DDR Lothar de Maizière die Aufgabe der kirchlichen Vertretung so:

  • Den Mund auftun für die Stummen: die Kirche erfülle hier eine sozialanwaltliche Rolle.
  • Begleitung bei der Gesetzgebung unter dem Aspekt des Gemeinwohls.
  • Die Abgeordneten begleiten in Seelsorge und Gemeindebildung.

 
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