Berlin Kreuzberg, Stadtmission

Das Quartier der Stadtmission in der Johanniterstraße

Das Quartier der Berliner Stadtmission im eher bürgerlichen Teil Kreuzbergs in der Johaniterstrasse ist schon etwas herunter­gekommen. Das Leuchtschild mit dem Schriftzug der Stadtmission ist durch Stein­würfe zersprungen und die Wände sind mit Graffiti besprüht. Innen werden die Pfarrer freundlich mit Kaffee und Keksen vom Prediger und Sozialarbeiter Andreas Berthold begrüßt. Aus dem CVJM-Westfalen stammend leitet er die Arbeit der Stadtmission im schwierigen Umfeld Kreuzbergs. Sein Ziel umschreibt er kurz und prägnant: „Frieden für die Menschen in der Stadt“ und „Menschen erreichen, die eine normale Kirchen­gemeinde nicht erreichen kann.“

Berthold weiß wovon er spricht. Nur noch 22% gehören in Berlin-Brandenburg einer evangelischen Kirche an, 8% der katholischen und 1% einer der Freikirchen. Somit sind also nur noch ein Drittel der Bevölkerung einer christlichen Kirche zuzurechnen. In Kreuzberg verschärft sich die Situation noch durch besondere Herausforderungen:

  • 30% der Einwohner sind Ausländer
  • sehr viele ältere Menschen wohnen hier
  • eine hohe Fluktuation kennzeichnet das Stadtgebiet.

 

Wie kann die Kirche darauf reagieren? „Sie ist nur ein Anbieter auf dem Markt“ betont Berthold. Und die Menschen wollen sich nur ungern an eine Institution binden. Berthold möchte mit seiner Arbeit bei den Menschen „andocken“ und durch niederschwellige Angebote überzeugende missionarische Arbeit leisten. Dies ist ihm im Lauf der Jahre mit einem ganz neuen Konzept auch gelungen: Im Untergeschoss des Zentrums hat er einen sogenannten Winterspielplatz eingerichtet. Auf gut 500qm finden sich hier Kinderspielzeuge aller Art: Spielsachen, Schaukeln, Kriechtunnel, Klettergerüste, Lesecke und Sofas mit Kaffee-Ecken für die Eltern. „Kinder müssen sich austoben können“, sagt Berthold, denn „toben macht schlau“. Und die Eltern finden Zeit zum Gespräch mit anderen Eltern.

 

Wie auf dem städtischen Spielplatz nebenan treffen sich die Menschen von Oktober bis April im Winterspielplatz der Stadtmission. Vorsichtig geht Berthold auf die Menschen zu. Man kennt sich und alle sind eingeladen. Bis zu 16.000 Kontakte hat Berthold dadurch im Jahr. 140 bis 200 Personen sind es an guten Tagen. Den Kindern erzählt er biblische Geschichten. Auch die Erwachsenen hören unauffällig zu, denn viele kennen diese auch nicht mehr. Beim Kaffee kommt man ins Gespräch. Manche finden dann auch den Weg hinauf ins Gemeindezentrum zum Kindergottesdienst oder zum Bibelgespräch.

Doch keiner muss dafür den Spielplatzbereich räumen. Einer nimmt den anderen einfach mit. „Gemeinde muss lernen, mit den Leuten draußen zu reden“ erklärt Berthold. Man solle nicht darauf warten, dass die Leute kommen, sondern man müsse der Gemeinde Mut machen, auf die Leute zuzugehen. Berthold hat hier keine Berührungsängste. Kein Wunder, dass sein Konzept des Winterspielplatzes schon gut 36 Mal in Deutschland kopiert wurde.


 
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