Erstellt am: 26.02.2022 10:39
Von: Pfr. Steffen Kaltenbach, Fornsbach


Unterm Narrenbaum

Ein Narrengedicht zur Fastnacht 2022


Schon wieder reichts zur Fasnet kaum:
2 G herrscht unterm Narrenbaum.
Dem Feiern fehlt so jeder Schwung,
mitunter auch beim Narrensprung.
Mit Masken kennt der Narr sich aus,
trägt Häs und Larve außer Haus,
bewegt sich so in einer Blase,
und zeigt der Welt die lange Nase.

Corona ist nur ein Problem,
das uns begegnet unbequem:
Die Kriegsgefahr schon wieder droht,
stürzt viele gar in große Not.
Nur weil in Moskau einer denkt,
wie schön es wär`, wenn er nur lenkt,
das Schicksal unsrer ganzen Welt.
Bestimmt geht`s dabei auch um Geld.

Und ja, so mancher wird jetzt blass,
es geht halt auch um „unser“ Gas.
Ob Heizung, Auto, Industrie,
abhängig sein, das will man nie,
doch sind wir`s längst, ich mach ne Wette:
Wir zittern vor der Lieferkette,
bei Bauholz, Chips und PKW,
o je, was tut das Warten weh!

Vor bald zwei Jahr`n war`s Klopapier,
die Hefe: Komm, kauf davon vier.
Wer weiß, wann Nachschub kommen wird,
der Hamster schaut total verwirrt
aufs leere Supermarktregal,
die Krise ist so radikal,
dass man sich fühlt wie einst im Osten.
Der Mangel wird uns Kaufkraft kosten!

Doch ist des Deutschen liebstes Kind
zu buchen einen Urlaub g`schwind,
Hotels und Flieger sind schon voll,
auch Wohnmobile, die sind toll:
Aussteiger sein für eine Weile,
das plant man gern in großer Eile.
Probleme lass ich hinter mit,
Hauptsache, es gibt deutsches Bier!

Nur eines findet`s nicht so prima,
das Reisen: Das ist unser Klima.
Mit jedem Flug, mit jedem Schiff
verdunkeln die Bilanzen sich.
Die Rettungsziele, die sind hehr,
doch täglich schmilzt das Eis im Meer,
Sturm, Fluten, Dürre, Borkenkäfer
lachen nur über Langzeitschläfer!

Warum schreib` all dies ich als Christ,
wohl wissend: Was zu ändern ist,
liegt auch in meiner eignen Hand.
Doch habe ich als Unterpfand
des Gottes eigenes Versprechen,
der niemals mit der Welt wird brechen,
die er doch einst so schön erschuf,
„Ich mach sie neu“, ist sein Beruf.

Ja, „Neu“ meint eine and`re Welt,
in der nicht mehr regiert das Geld,
in der kein Macho, Egoist
der wahre Weltenlenker ist.
Die Welt, in der der Tod besiegt
in seinem kalten Grabe liegt.
Den Traum vom Neuen will ich pflegen,
wo Liebe siegt und auch das Leben.

Und ja, ich ahn`, ihr glaubt es kaum:
Der Narr teilt mit mir diesen Traum,
weil er mit Eulenspiegelei
die Welt entlarvt als Narretei,
weil er der Macht den Hintern zeigt,
und Mächtigen die Meinung geigt,
und weil die Fasnet eins kann zeigen:
Die Welt, sie muss nicht traurig bleiben!

So grüß ich euch, im Herzen froh,
mit lachendem Narri Narro!
 

 

Steffen Kaltenbach, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinden Fornsbach und Kirchenkirnberg.