Erstellt am: 10.02.2024 09:08
Von: Karsten Wriedt, Diakon, Kath. Kirche Backnang


Die Narren...

... bringen es zur Sprache


„Du Narr …“: So wird abwertend bezeichnet, wer es nicht blickt oder wer unvernünftig redet. Andererseits sind all die Narren, die jetzt mit den verschiedensten Traditionen und Festen den Karneval an vielen Orten beleben, weder unvernünftig noch dumm.

„Infantes perhibent et stultos dicere verum“ (Es wird die Ansicht vertreten, Kinder und Narren sagen die Wahrheit.) Von Walther von Chatillon, einem im 12. Jahrhundert aktiven Theologen, wird dieses Sprichwort überliefert.

Bei Kindern wissen wir es und können immer wieder erfrischend erleben, wie treffsicher und unverstellt ihr Blick ist. Sie kennen glücklicherweise noch nicht all die Konventionen der Gesellschaft, wann und warum man irgendetwas nicht sagt – sie haben noch die Freiheit, ihre Wahrnehmung prompt und direkt loszuwerden.

Der Erwachsene hat (leider) längst gelernt, sich zurückzuhalten. Die bekannten Vertreter der gesellschaftlichen Gruppen liefern oft eine erwartbare Meinung, auf die sie durch Amt und Auftrag festgelegt sind.

Aber im Karneval, da darf eine beliebige Rolle eingenommen werden, da ist alles erlaubt. Dafür entstehen die oftmals mit viel Wortwitz und Scharfsinn formulierten Büttenreden. Endlich darf es gesagt werden, durch die Maske, durch die Rolle des Narren oder einer fiktiven historischen Person, die einen Perspektivwechsel ermöglicht und der Gesellschaft, Politik und auch der Kirche einen Spiegel der Wahrheit vorhält.

Wo man zunächst lacht, weil gekonnte Reime und ein gewandtes Auftreten beeindrucken, wird dann im „Abgang“ (wie bei einem guten Wein) deutlich, welch tiefe Bedeutung gerade ausgesprochen wurde.

Unsere Kirche wird sich wieder manches anhören müssen. Sie tut gut daran, genau hinzuhören, wenn kirchliche Fragen nicht nur aus der hohen Warte von Theologie und Administration betrachtet werden, sondern mit dem Herzen der Gläubigen, aus dem Leben gesprochen in dem ungeschminkten, oft auch im Dialekt vorgetragenen Wort.

Person kommt ja von dem lateinischen „personare“: Dem Hindurchklingen, wenn der Schauspieler durch die „persona“ (die Stabmaske) hindurchspricht. Ich bin mir sicher, Gott spricht zu uns, durch den Narren, mit seinem Wort … auf diese Beiträge und Anregungen freue ich mich.

Carsten Wriedt, Diakon der katholischen Kirche in Backnang