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Wort von Dekan Braun


In einem Brief an alle Mitchristinnen und Mitchristen äußert sich Dekan Braun aus Backnang zur aktuellen Epedemie des Corona-Virus und ruft zur nachbarschaftlichen und seelsorgerlichen Begleitung auf.

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

liebe Mitchristinnen und Mitchristen,

 

man mag das Wort corona schon kaum mehr hören und doch sieht alles danach aus, als würde uns dieses Virus auf längere Zeit hin buchstäblich in Atem halten. Bereits in den letzten Tagen war es nötig, in atemberaubendem Tempo nicht nur Dinge hintanzustellen, die uns im Alltag bisher lieb und wert waren, sondern auch Höflichkeitsregeln und Zuneigungsgesten zu überdenken oder kurzfristig auszusetzen, die seit Jahrhunderten zu unserer Kultur gehören. In den christlichen Gemeinden haben wir uns seit langer Zeit darin geübt, in Gottesdienst und Gemeindeleben auch äußerlich Zeichen persönlicher Nähe zu setzen. Fast über Nacht wurde dem, was wir seither als positiv empfunden haben, ein Minuszeichen vorangestellt. Kein Wunder, wenn unser Gefühl da noch Zeit braucht, diesen Schwenk nachzuvollziehen.

 

Schulen und Kindertagesstätten geschlossen, drei Wochen vor den regulären Ferien, Spielplätze, Schwimmbäder, Cafés und Läden durch Regierungsanordnung leer – an ein vergleichbares Szenario kann ich mich in den letzten sechs Jahrzehnten nicht erinnern. Ab kommendem Sonntag gilt ein allgemeines Gottesdienstverbot. Selbst Gottesdienste in den Krankenhäusern und Altenpflegeheimen dürfen nicht mehr stattfinden. Auch das ist in meiner Erinnerung – mindestens in der westlichen Welt – ohne Beispiel. Kirchliche Feiern wie Trauungen, Ehejubiläen, Konfirmationsjubiläen und Taufen – mit der Ausnahme von Nottaufen - finden bis auf Weiteres nicht statt. Im Blick auf die für Mai geplanten Konfirmationen gibt es im Moment noch keine definitive Beschlusslage. Mit ihrer Absage muss aber gerechnet werden. Und für Beerdigungen hat die Landeskirche momentan sehr strenge Regelungen: Sie sollen nur unter freiem Himmel und im Rahmen ortspolizeilicher Vorgaben stattfinden. Wie lange das so gelten kann, ist offen. Die eigentlich für kommenden Freitag geplante Bezirkssynode ist abgesagt, genauso alle kirchlichen Gruppen und Kreise, Chorproben und sonstigen Treffen. Wir bitten Sie hierfür um Verständnis.

 

Seelsorgerliche Begleitung der Menschen in allen Lebenslagen ist eine der Hauptaufgaben des Pfarrdienstes. Aller Voraussicht nach wird der Bedarf auf diesem Gebiet in den nächsten Wochen eher zu- als abnehmen. Aber wie kann das unter den gegebenen Bedingungen hilfreich geschehen? Wir werden es so versuchen: Keine Pfarrerin / kein Pfarrer und auch kein Besuchsdienstmitglied wird von sich aus zu einem Geburtstags- oder Krankenbesuch gehen, um niemanden in Verlegenheit zu bringen. Wo aber der Wunsch zu einem Seelsorge- oder Krankenbesuch besteht, werden wir ihn selbstverständlich nicht verweigern. Bitte geben Sie uns entsprechend Bescheid. Hausbesuche bei Menschen, die unter Quarantäne stehen, sind von amtlicher Seite verboten. Wir wollen und werden aber auch hier über Telefon, E-Mail und anderes Wege finden, in Kontakt zu bleiben und seelsorgerlichen Beistand zu leisten. Bitte unterstützen Sie uns hierin, auch indem Sie entsprechende Auskunft über die Sachlage geben.

 

Überhaupt wird es in der nächsten Zeit darauf ankommen, dass wir noch intensiver als bisher telefonisch oder per Mail in Kontakt bleiben. Nur so können wir dazu helfen, dass niemand vereinsamt oder in Not gerät. Nutzen Sie dazu die Telefonnummer und Mailadresse Ihres Pfarramts oder wenden Sie sich ans Dekanat: Telefon 07191-32180 / bitte ggf. Anrufbeantworter nutzen! / Mail: dekanatamt.backnang@elkw.de. Wir denken darüber nach, ob Gottesdienste und Andachten von uns aus der Region wöchentlich ins Internet gestellt hilfreich sein könnten und nehmen auch dazu gerne Ihre Anregungen entgegen.

 

Zum Schluss noch eine Anregung meinerseits: Eine uralte christliche Tradition wird voraussichtlich allen Corona-Verboten standhalten: Das Glockengeläut. Jeden Tag um 12 Uhr läutet die kleine Friedensglocke auf dem Türmchen der Stadtfriedhofskapelle. Abends um 18 Uhr läuten die Glocken auf dem Stadtturm. Was fast schon in Vergessenheit geraten ist: die Glocken laden ein zum gemeinsamen Gebet. Für den Frieden, für Gesundheit, für Menschen, die einem am Herzen liegen, für sich selber, für die Stadt, das Land und die Welt. Und das ist nicht nur – wie seither – im Kirchenraum möglich, sondern auch daheim in der Wohnstube. Wenn ich recht sehe, werden wir dieses Gebet in diesen Tagen nötig brauchen.

 

Bleiben Sie behütet!

 

Ihr Dekan Wilfried Braun



 
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