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Alles neu macht der ... Donnerstag!

Gedanken zur Jahreslosung 2026

Klaus Herberts

Eigentlich beginnt das Neue nicht am kommenden Donnerstag, sondern es hat bereits am vergangenen Donnerstag begonnen. An Neujahr ändert sich etwas Oberflächliches: eine Ziffer in der Jahreszahl. An Weihnachten ändert sich etwas Tiefgründiges: Durch die Geburt Jesu wurde und wird vieles anders. 

Die jüdische Philosophin Hannah Arendt hat ihren eigenen Blick auf die Weihnachtsgeschichte: „Dass man in der Welt Vertrauen haben und dass man für die Welt hoffen darf, ist vielleicht nirgends knapper und schöner ausgedrückt als in den Worten, mit denen die Weihnachtsoratorien die ‚Frohe Botschaft‘ verkünden: ‚Uns ist ein Kind geboren‘.“ In ihrem Hauptwerk „Vita Activa oder Vom tätigen Leben“ erschafft sie den Begriff der „Natalität“, der „Gebürtlichkeit“. Hannah Arendt stellt die Freiheit des Menschen, immer neu anfangen zu können, in den Mittelpunkt ihrer Philosophie. Jede und jeder hat die Fähigkeit, selbst einen neuen Anfang zu machen und zu handeln. 

Beim ersten Lehrer der bedeutenden Philosophin, Martin Heidegger, läuft das Leben unausweichlich auf den Tod zu. Auch bei vielen christlichen Theologen steht der Tod Jesu im Mittelpunkt. Hannah Arendt sieht es dagegen mit dem Philosophen, Kirchenlehrer und Bischof Augustinus (von Hippo, der auch den Augustiner-Eremiten Martin Luther stark geprägt hat) anders: Mensch sein heißt zwar auch sterben müssen, vor allem aber anfangen können. 

Das steht nicht im Widerspruch zur Jahreslosung für 2026. In der Offenbarung an Johannes von Patmos spricht Gott: „Siehe, ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,5)

Mit der Geburt Jesu Christi hat das Neue bereits begonnen. Ich kann immer wieder neu beginnen, wenn ich Fehler mache oder sich mein Horizont weitet. Ich kann mich entschuld(ig)en und Lasten ablegen. Die Botschaft der Nächstenliebe verändert die Welt und hoffentlich auch immer wieder mich. Manchmal reicht schon ein kleines Wort. Oder er, das große Wort: „Im Anfang war das Wort ... Alles ist durch das Wort geworden“, beginnt in der evangelischen und katholischen Kirche das Weihnachtsevangelium (Johannes 1). Jesus kommt in die Welt und schenkt uns neue Chancen, neue Hoffnung und Neuanfänge.

 

Klaus Herberts ist Vorsitzender und Mitbegründer der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Backnang.