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Scheitern? Nicht erlaubt!

Das Deutsche Team ist daußen - oder was wirklich wichtig ist im Leben.

Das deutsche Team ist ausgeschieden. Raus aus der WM. Kein Sieg. Kein Jubel.

Stattdessen Schlagzeilen auf den Titelseiten der Zeitungen, Kommentare im Netz:

Die Blamage der Nation. Der Looser Nagelsmann. „Scheitern“ nicht erlaubt. Nicht bei uns, der wir die Exportweltmeister, die drittgrößte Wirtschaftsmacht, das größte Land auf dem Mutterkontinent des Fußballs sind. 

Doch was für ein Bild haben wir von anderen Menschen? Von anderen Nationen?

Was ist eine Blamage? Ein verlorenes Fußballspiel?

Ist nicht vielmehr Kinderarmut in einem reichen Land eine Blamage? Dass Kinder in unseren Schulen mit knurrendem Magen nach Hause gehen, das Geld für den Ausflug nicht reicht. Ist es nicht peinlich, dass bei uns immer noch Bildungsbarrieren zu finden sind? Und kein Geld für Klimaschutz und Infrastruktur, Fahrradwege, die weiterführen, Nahverkehr, der funktioniert? Junge und Alte unter der Hitze zu leiden haben, Tiere und die Natur dazu? Und Wasser verkauft statt verteilt wird? 

Was ist eine Blamage? frage ich mich am Ende der Woche. 

Und wünsche mir und uns allen, dass es uns gelingt, den Blick auf das Wesentliche zu richten. Dass wir einander etwas gönnen. Dem Team aus Paraguay genauso wie meinem Nachbarn oder denen, die noch neu bei uns sind, den kleinen und den Großen, dem andern, meinem Nächsten. Und wir so wie schon Menschen zur Zeit der Bibel einander ermutigten, und miteinander um der Liebe willen, Strukturen von Frieden und Gerechtigkeit finden, ein gutes Miteinander, in unseren Familien und Häusern, an den Arbeitsplätzen, in der Öffentlichkeit, in unserer Sprache, in unseren Texten, in der Zeitung und auch im Internet, wo immer wir einander begegnen. 

– Das wäre großen Jubel und genauso Schlagzeilen und Kommentare wert: Gemeinsam. Gewonnen. Alle.


Pfrin. Tamara Götz, Evang. Matthäuskirche II, Backnang