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Punmpen für die Seele

Nur keine Schwäche zeigen!

Pumpen ist gerade bei vielen ein Thema. Also ins Fitnessstudio gehen und mit Gewichten arbeiten. Mal geht es darum, Muskeln aufzubauen. Fürs Aussehen. Mal darum, dem eigenen Körper mit gezielten Übungen mehr Stabilität und Durchhaltekraft zu geben. Eben etwas Gutes zu tun. Und, so zumindest mein Eindruck: Das ist gerade bei vielen ein Thema. In Gesprächen höre ich davon. Bilder und Videos aus dem Studio tauchen in den Social Media auf.

Und natürlich: Für vieles, das wir tun und machen, braucht es Ausdauer, Fitness, Kraft. Aber nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Je umtriebiger es überall wird, je mehr mir abverlangt wird, desto eher fällt das Achten auf mich selbst, meine Psyche, meinen Wesenskern, meine Seele, desto eher fällt das hinten runter. Da heißt es „Durchziehen! Keine Schwäche zeigen, nicht nachlassen!“

Ich bin mir sicher, dass das auf lange Sicht nicht guttut und daher auch nicht gut gehen wird. Wir Menschen sind nun mal nicht nur ein Körper. Wir sind auch Seele. Bei schweren körperlichen Aufgaben, z.B. beim Umzug oder Aufbau eines großen Schranks, da ist es normal, andere um Hilfe zu bitten. Bei großen seelischen Aufgaben scheint es mir manchmal anders zu sein: Wen gerade etwas belastet, behält es oft für sich. Zu oft. Vielleicht wegen schlechter Erfahrungen zuvor. Vielleicht aus anderen Gründen.

Möglicherweise täuscht mich mein Eindruck. Aber wann haben Sie zuletzt gehört: „Mir geht es gerade nicht gut, weil …“ und wurden um Hilfe, um Beistand gebeten. Oder wann haben Sie es selbst gesagt?

„Helft einander, die Lasten zu tragen. So erfüllt ihr das Gesetz, das Christus gegeben hat.“ Paulus hat das an die Gemeinden in Galatien schon vor ca. 2.000 Jahren geschrieben. Hier bin ich mir sicher: Was vor 2.000 Jahren richtig war, das stimmt auch heute noch. Es ist eine große Hilfe, andere um Beistand zu bitten. Und ebenso, anderen beizustehen. Und das Gute ist: Dazu muss ich nicht erst ins Studio gehen und pumpen. Die Kraft für seelischen Beistand, die kommt mit Gottes Hilfe ganz aus mir selbst. Und vertraue ich mich anderen an, tue ich mir damit etwas Gutes. Auch wenn einzelne vielleicht nicht damit umgehen können.

Pfarrer Tobias Weimer, Matthäuskirche Backnang

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