Ich baue an einer Kathedrale
Ich baue an diesem Wochenende an einer Kathedrale und stehe dafür unter Strom. Und nicht nur ich. Auch der Grund, warum ich unter Strom bin, steht unter Strom. Der Grund ist nämlich eine riesige Carrera-Bahn. Es sind wieder RaceDays bei uns in der Matthäusgemeinde. Das dritte Mal schon steht die Bahn in unserem Gemeindezentrum. Und weil ich von unserer Gemeinde der Organisator dafür bin, stehe auch ich unter Strom. Denn natürlich möchte ich, dass alle hier eine gute Zeit haben. Spaß beim Fahren, gute Verpflegung und das einfach in einer angenehmen Atmosphäre. Und ich möchte auch, dass die vielen Helferinnen und Helfer alles zur Seite gestellt bekommen, damit sie ihre Aufgaben gut und gerne erledigen können. Das motiviert mich, mein Bestes dafür zu geben.
Aber wie funktioniert das mit dem Motivieren eigentlich? Beim Sport oder auch im Beruf gibt es ja die Variante Druck. Das klappt eine Zeit lang sicherlich ganz gut. Auf Dauer geht es aber oft nach hinten los. Es stresst einfach, ständig unter Druck zu stehen. Das kann auf die Gesundheit oder die Zufriedenheit gehen.
Es gibt die Variante, besser zu sein zu wollen als alle anderen. Das kann auch gut funktionieren. Aber es ist auch ganz schön frustrierend, wenn andere trotz all meiner Bemühungen weiterhin schneller, stärker, „besser“ sind. Und es kann auch zwischenmenschlich belastend sein, wenn ich andere nur als Konkurrenz sehe.
Deswegen glaube ich, langfristig die beste Motivation ist, wenn ich weiß, warum ich etwas mache. Ein Cartoon stellt das dar. Da sind drei Menschen abgebildet. Alle führen dieselbe Tätigkeit aus, sie bearbeiten Steine. Die erste Person sagt ganz abgemüht: „Ich behaue einen Stein.“ Die zweite Person sagt, etwas abgearbeitet: „Ich arbeite an einem Spitzbogen.“ Und die dritte Person sagt, natürlich auch angestrengt, aber eben auch mit einem Lächeln im Gesicht: „Ich baue eine Kathedrale!“
Natürlich weiß die dritte Person, dass sie die Kathedrale nicht allein baut. Aber sie weiß, wofür sie die Arbeit macht, den Stein bearbeitet. Das motiviert sie – und das langfristig. Ich weiß auch, dass die RaceDays nur funktionieren, weil viele mithelfen und mitarbeiten. Ich bin einer davon und ich weiß, warum ich es mache: Um anderen eine gute Zeit zu schenken. Und ich weiß, dass viele dadurch erleben, dass Kirche mitten im Leben und auch für gute Gemeinschaft steht. Das ist für mich wie die Kathedrale im Cartoon.
Wofür sind Sie motiviert, an welcher „Kathedrale“ bauen Sie?
Pfarrer Tobias Weimer, Matthäuskirche Backnang
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