Glaube(n) und Wissen(schaft)
Voll Bewunderung bin ich für Naturwissenschaftlerinnen und Naturwissenschaftler. Ihre Erkenntnisse helfen der Menschheit und sie faszinieren ... Einer von ihnen ist heute vor 50 Jahren gestorben: der weltbekannte Physiker und Nobelpreisträger Werner Heisenberg (1901–1976). Ihm wird der Satz zugeschrieben: „Der erste Schluck aus dem Glas der Erkenntnis macht atheistisch, aber am Boden des Glases findet man Gott.“
Alles klar, oder? Zuerst führt die Naturwissenschaft vom Glauben an Gott weg und macht die Existenz Gottes unwahrscheinlich oder unmöglich, denn es gibt keinen Beweis dafür. Schade. Trotzdem können oder sollen wir auf die Naturwissenschaften nicht verzichten, denn sie sind ein Segen für die Menschheit und große Leistungen des menschlichen Denkens. Und am Ende, bei der genauen Betrachtung der vollkommen funktionierenden Naturgesetze, beim Blick in die Unendlichkeiten des Weltalls, kommt man zu dem Schluss, dass doch ein schöpferischer Geist dahinter sein muss. Also dann kommt der Glaube verwandelt und erwachsen durchdacht zurück. Schön.
Allerdings ist es sehr umstritten, ob Heisenberg den einprägsamen Satz wirklich jemals gesagt oder geschrieben hat. Viele sagen, dieser Satz ist nicht gut und passt nicht zu ihm und wurde ihm von religiösen Fundamentalisten „untergeschoben“. Sein Enkel, Benjamin Heisenberg, meint trotzdem, dass sein Großvater wie viele Wissenschaftler gar nicht so ungläubig war.
Ja, auch unter Naturwissenschaftler:innen gibt es gläubige und nichtgläubige Menschen. Was die Gläubigen unter ihnen über ihren Glauben sagen, ist sehr anregend. Zum Beispiel der Astrophysiker Heino Falcke, der am ersten Foto eines schwarzen Lochs mitgearbeitet hat. Er forscht an der Radboud-Universität in Nijmegen und versucht, den Anfang der Welt zu denken. Er sagt: „Dass diese Erde existiert, ist und bleibt der helle Wahnsinn!“ Und er weiß über ihre Entstehung viel, viel mehr als wir. Und er sagt: „Gott als Schöpfer ist die erste Ursache ohne Ursache. Diese Lücke lässt sich durch die Wissenschaft nicht füllen.“
Also es gibt weiterhin keinen Beweis für Gott. Und es nicht unwissenschaftlich, an Gott zu glauben.
Ein gutes Gottvertrauen wünscht Ihnen
Pfarrerin Bettina Hoy
Staigacker
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