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licht?

Meine Autokorrektur am Handy versteht mich oft falsch.

Meine Autokorrektur am Handy versteht mich oft falsch. Manchmal verändert sie etwas Richtiges und verdreht dadurch den Sinn komplett. Es gibt zum Beispiel ein kurzes Lied, das heißt „Mache dich auf und werde licht“. „licht“ ist dabei klein geschrieben. Meine Autokorrektur wollte das aber nicht. „Kann ja nicht stimmen“, dachte die sich wohl. Und zack. Plötzlich war licht großgeschrieben: „Mache dich auf und werde Licht.“

In der Bedeutung dreht sich dadurch eine Menge. Denn wenn das Wort Licht hier großgeschrieben ist, dann wird der Satz zu einem ganz eindeutigen Auftrag: Werde Licht! Ich soll leuchten. Aus mir heraus. Ich soll die Orte, an denen ich unterwegs bin, hell machen. Vielleicht auch im übertragenen Sinn: Ich soll Gutes tun. Egal, wie es mir geht. Egal, was ich kann und mitbringe.

Das überfordert mich aber. Denn oft fühle ich mich gar nicht strahlend hell. Manchmal habe ich trübe Gedanken. Und viel zu oft habe ich keine Idee, wie ich anderen helfen könnte. Oft fällt es mir ja schon schwer, eine gute Idee für ein Geburtstagsgeschenk zu finden. Dieser Aufforderung, mit großgeschriebenem Licht. Der kann ich nicht gerecht werden.

Ich habe es deswegen auf meinem Handy gleich wieder zurück geändert. Zu einem kleinen „L“. Mache dich auf und werde licht! Ich soll unterwegs sein, aufbrechen. Und dann soll ich „licht“ sein. Offen, durchlässig für das, was mir begegnet. Und vor allem für das, was in mir ist. Als Christ glaube ich, dass Gott bei mir, in mir ist. Und Gottes Licht, das soll aus mir herausscheinen können.

Das ist nämlich für mich der große Unterschied: Nicht ich muss leuchten und Lichtquelle sein. Gott ist das in mir. Es genügt schon, wenn ich das Licht Gottes in mir nicht verstecke. Sondern wenn ich es leuchten lasse. Zum Beispiel indem ich anderen respektvoll, liebevoll begegne. Weil ich weiß und erlebt habe, dass Gott das mit mir auch macht.

Ich bin mal gespannt, was mir meine Autokorrektur noch so präsentieren wird. Vielleicht ist ja mal wieder was dabei, das mich zum Nachdenken bringt.

Pfarrer Tobias Weimer, Matthäuskirche Backnang

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