Eintreten statt Austreten
Als Gemeindepfarrer frustriert mich das sehr: Man hat die Woche über mit großem Einsatz gearbeitet. Man hat versucht, seinen Pfarrdienst mit Herz und Hingabe an den Menschen zu tun, aber dann liegen „zur Belohnung“ am Freitag wieder die standesamtlich gemeldeten Kirchenaustritte im Pfarrbriefkasten. Man liest die Namen der Menschen, die gegangen sind, und es gibt einem einen Stich ins Herz. Man fragt sich: „Was habe ich falsch gemacht? Warum gehen sie?“
Wenn mir die Ausgetretenen auf der Straße begegnen, sagen viele: „Nehmen Sie es nicht persönlich, es ist nicht wegen Ihnen.“ Dennoch fühle ich einen Schmerz, wie über einen lieben Menschen, der seine Familie für immer hinter sich gelassen hat. Für mich gehört zum Glauben elementar die Entscheidungsfreiheit dazu, auch die Freiheit, aus der Kirche auszutreten.
Jesus zwingt niemanden in die Nachfolge. Aber sind wir uns bewusst, dass das Schrumpfen der Kirchen auch einen Preis für uns selbst und für die ganze Gesellschaft hat? Die Journalistin Alexandra Würzbach hat das kürzlich so formuliert: „Mit jedem Kirchenaustritt verschwindet ein Stück Tradition. Natürlich kann man auch ohne Kirche Christ sein… heute denke ich trotzdem, ob ich nach mehr als 30 Jahren wieder in die evangelische Kirche eintreten soll, weil ich denke: Wenn irgendwann keiner mehr da ist, der die Geschichte und Geschichten des Christentums seinen Kindern weitergibt, dann ist unser Land nicht mehr unser Land.“ (bild.de)
Um es klar zu sagen: Jesus ist an Ostern nicht deswegen auferstanden, damit er ein „christliches Abendland“ begründet. Er ist auferstanden, damit Menschen frei werden von der Todesangst und
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