Mutig. Stark. Beherzt.
Mutig. Stark. Beherzt. Diese wehen jetzt im Wind. Sie stehen auf dem roten Schal, den ich vom Kirchentag in Hannover mitgebracht habe und der jetzt auf der Wäscheleine trocknet. Mutig. Stark. Beherzt. Das war das Motto. Und diese Worte begleiten mich seitdem noch: Mutig. Stark. Beherzt. In diesen Tagen, an denen an so vielen Orten und heute auch in Backnang mit Lesungen, Kundgebungen und Glockengeläut an das Ende des zweiten Weltkriegs vor 80 Jahren gedacht wird. Wieviel Mut, wieviel Stärke, wieviel Herz war nötig in der Zeit danach – bis heute, um Schritte auf dem Weg des Friedens zu gehen.
Mein Herz berührt es da, wenn der neu gewählte Papst aller Welt „Der Friede sei mit euch allen!“ zuruft und wünscht und einen Friedensgruß in die Welt mit sendet. In die Welt der Friede an manchen Orten und zu manchen Zeiten so weit weg zu sein scheint. Der Mut verloren geht. Nur die Stärke des anderen gilt. Herzen schmerzen.
Doch dann erlebe ich wieder die Jugendlichen, die sich in diesen Tagen auf ihre Konfirmation freuen. Sie formulieren Sätze davon, was sie hält und trägt, was sie hoffen und wünschen. Mit ihrer ganz eigenen Sicht auf das Leben, die Welt, auf Gott. Ein Gott, dem wir vertrauen können, sagen sie- trotz allem, worunter die Seele leidet. Oder gerade dann. Wenn die Seele leidet.
Diese jungen Menschen wollen losgehen Richtung Zukunft. Und wer losgeht, kann ein Friedenslied summen gegen die Angst. Kann Harmonie und Rhythmus wieder finden. Wenn man aus dem Tritt gekommen ist. Ja, und daneben, ehrlich gesagt, auch mal Trübsal blasen ohne Angst. Auch mal unglücklich sein, ohne Furcht. Für meine Träume kämpfen- und Gott mir hilft. Voller Vertrauen, wie wir es von Dietrich Bonhoeffer kennen : Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Das ist mutig. Das ist stark. Das ist beherzt. Das kann sagen, wer sieht, dass im Frühling das Grün aus den Zweigen bricht und den Asphalt bricht, wieder und wieder, auch wenn Panzer darüberfahren. Konfirmandinnen und Konfirmanden, junge Menschen wissen, wie nötig die Zukunft es jetzt schon hat, dass wir hingehen voller Vertrauen, mutig, stark, beherzt. Auch wenn sie die Gegenwart mit Arbeiten und Schule und Chillen und Netflix und Klimawandel und Nazis und Nazis und allem ganz schön fordert. Mit ihren Worten und Formulierungen verbinden sie Gegenwart mit Zukunft und auch mit Vergangenheit. Eine Erinnerung. Ein Versprechen. Gott. Ich bin da. Mittendrin.
Auch wenn ich den Mutig.Stark.Beherzt-Schal demnächst wieder von der Leine genommen habe, hoffe ich mitten zwischen Vergangenheit und Gegenwart, voller Erinnerungen, Vertrauen und Friedenshoffnung, dass das hält und trägt, weich und fest, bis ins Herz. Mich, junge und alte Menschen, uns alle, in diesen Maientagen, in Zukunft.
Pfarrerin Tamara Götz, Matthäuskirche II Backnang
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