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Darf man feiern, wenn Krieg ist?

Gedanken zum Straßenfest-Sonntag

Während des Backnanger Straßenfestes wird unsere evangelische Stiftskirche tagsüber geöffnet sein. Sie können dort Ruhe und Abkühlung finden und vielleicht auch ein stilles Gebet sprechen. Sie können dort aber auch die Ausstellung „Wein und Bibel“ besuchen, die im Chor der Stiftskirche zwei Wochen lang aufgebaut sein wird. Verschiedene Schaubilder, historische Exponate sowie mediale und kulinarische Zugänge zum Wein können vom Besucher dort erlebt werden. In der Ausstellung wird gezeigt, dass die biblische Wertschätzung des Weines dazu geführt hat, dass aus Württemberg ein Weinland wurde. Ein spezieller Schwerpunkt der Ausstellung zeigt, wie auch in Backnang und seinen Teilorten jahrhundertelang Weinanbau betrieben wurde. Manche werden jetzt fragen: Hat die Kirche in diesen politisch aufgewühlten Zeiten nichts Wichtigeres zu sagen? Überhaupt: Darf man dann, wenn woanders Menschen im Krieg sterben, hier in Backnang ein unbekümmertes Straßenfest feiern?

Das erste Wunder Jesu, das im Johannesevangelium erwähnt wird, war ein Weinwunder. Es war keine Krankenheilung, kein Brotwunder, sondern eine Luxuswunder. Als Jesus mit seinen Jüngern auf einer Hochzeitsfeier in Kana war, ging dort der Wein aus. Jesus verwandelte daraufhin 600 Liter Wasser in 600 Liter besten Wein. Ein Luxuswunder! War das nötig? Warum tut er das?

Jesus will damit ganz und gar nicht den Alkoholismus fördern. Er macht dieses Wunder vielmehr zu einem Zeichen: Da, wo Jesus einkehrt in einem Menschenleben, da wird es zum Fest, da hört der Mangel auf, da beginnt Freude und Fülle. Und dieses Weinwunder ist auch ein Zeichen für das große Fest am Ende aller Zeiten, wo die Völker einträchtig versammelt sein werden und wo es wird kein Geschrei, kein Leid und keine Tränen mehr geben wird, wo großer Friede sein wird, denn „Gott wird sein alles in allem“ (1.Kor.15,28).

Deswegen dürfen wir das Straßenfest feiern, auch als Vorschein der kommenden Herrlichkeit, in der alle Feindschaft überwunden sein wird. Und ganz direkt gesagt: Es ist doch besser, dass wir miteinander feiern, als dass wir aufeinander schießen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein fröhliches Straßenfest mit vielen Begegnungen, in denen Vertrautes gepflegt und Fremdes überwunden wird, damit der Friede unter uns wachse.

Dekan Rainer Köpf, Backnang

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