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Mut zum Leben

Wie wunderbar ist das, wenn man selbst wieder lernt mit den Augen eines Kindes die Welt zu sehen.

„Die Geburtenrate ist dramatisch niedrig. In Deutschland werden nur noch 1,35 Kinder pro Frau geboren.“ Als in der letzten Woche diese Nachricht in der Zeitung stand, war gerade unser 3-jähriger Enkel ein paar Tage bei uns zu Besuch im Backnanger Dekanat. Wie wunderbar ist das, wenn dieser kleine Mensch zwischen Oma und Opa in der Bettmitte im „Gräbele“ liegt und tausend Fragen stellt. Wie wunderbar ist das, wenn man selbst wieder lernt mit den Augen eines Kindes die Welt zu sehen und zu staunen. 

Ein Kind ist ein einmaliges Geschenk, für das wir Gott nicht hoch genug danken können. In der Familie, in der ich in den 1960-er Jahren aufgewachsen bin, war es selbstverständlich und „normal“, dass Menschen heirateten und Kinder bekamen. „Das ist das Ur-Gesetz der Welt“ sagte mein Opa: „Nur so kann das Leben weitergehen.“ Schon damals habe ich Menschen um mich herum erlebt, die ungewollt kinderlos waren. Manche von ihnen konnten es als ihren Lebensweg annehmen und innerlich akzeptieren, andere haben darunter gelitten. 

Erst im Studium in den 1980-er Jahren habe ich Paare erlebt, die ganz bewusst auf Kinder verzichten wollten. Sie sagten mir: „Wir sehen, wieviel Naturzerstörung die Überbevölkerung auf dieser Welt auslöst. Diese Verantwortung wollen wir nicht auf uns nehmen. Es gibt für uns ein erfülltes Leben auch ohne Kinder.“ In der Bibel gibt es keine einseitig festgelegte Lebensform. Es gibt dort auch den bewussten Verzicht auf Kinder. Es gibt Menschen, die sich dafür entscheiden, ehelos zu leben, „um des Reiches Gottes willen.“ Klöster oder Kommunitäten, in denen Menschen freiwillig in einer ehelosen Gemeinschaft leben, bilden diese zölibatäre Lebensform ab. Der Apostel Paulus sagt einmal sinngemäß: „Heiraten ist gut, aber ledig bleiben ist besser. Weil ja Jesus sowieso bald wiederkommt.“ (1.Korinther 7). 

Dennoch: Die große Linie der Bibel ist eine zutiefst kinderfreundliche. „Seid fruchtbar und mehret euch“ (1. Mose 1,28), dieser Grundauftrag Gottes bei der Erschaffung der Welt gilt für alle Menschen. Wer Kinder bekommt, erlebt den gestaltgewordenen Segen des Schöpfers. Auch wenn es zu allen Zeiten Ängste vor einer unabsehbaren Zukunft gab, macht uns die Bibel Mut zur Weitergabe des Lebens. Martin Luther bringt es auf den Punkt, wenn er sagt: „Wenn du ein neugeborenes Kind siehst, ertappst du Gott auf frischer Tat.“ Kinder sind eine Gabe des Herrn (Psalm 127,3). 

Deswegen laden wir am morgigen Sonntag als große ökumenische ACK-Kirchengemeinschaft herzlich ein zu einem kinderfreundlichen Familiengottesdienst im Freibad von Erbstetten. Ja, Kinder sind dazu herzlich willkommen, aber auch Mamas und Papas, Omas und Opas und auch die ledigen Tanten, Onkels und Freunde und alle, die sich an Kindern und an dem lebendigen Gott freuen.

 

Rainer Köpf

Dekan des evangelischen Kirchenbezirks Backnang

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